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 | Der Mensch läuft |
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Am Anfang war das Laufen
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Das Laufen ist die urtümlichste und dem Menschen vertrauteste Bewegungsform. Seit es Menschen gibt, laufen sie. Wenn man zum Beispiel sieht, wie leichtfüssig Massais über die Steppenlandschaft gleiten, vorbei an ihren alten Kult- und Kraftorten, ist man schnell überzeugt, der Mensch läuft. Die gleichmässigen Schritte sind wie Trommelschläge, die den Augenblick in eine geheimnisvolle Atmosphäre tauchen. Man empfindet eine intensive Vertrautheit mit der Szenerie, als hätten wir das alle schon einmal erlebt, vor langer Zeit, an einem fernen Ort. Ein verborgenes Urwissen scheint sich in uns zu regen, zum Vorschein zu kommen. Man verspürt den Drang, einfach mitzulaufen, dem Ruf der Freiheit zu folgen.
Die Metapher des Laufens prägt auch unserer Alltagserfahrung. Wortlaute wie: "der Lauf der Dinge", "der Lauf des Lebens", "der Lauf der Geschichte" sind Gegenstand unserer täglicher Sprache. Laufen, eine Urenergie.
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Laufen sicherte unser Überleben
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Ohne zu laufen hätten unsere Ahnen aus lang entfernter Vorzeit nicht überleben können. Neben dem Umgang mit Pfeil und Bogen, gehörten vorallem läuferische Taktik und Ausdauer zum Erlegen der Beutetiere. Laufen sicherte das Überleben unserer Vorfahren.
Der Mensch beginnt den Acker zu bestellen und Tiere zu domestizieren. Das Laufen verlor an Bedeutung. Im Mittelalter kam dem Laufen eine neue Bedeutung zu: Pilgerreisen; zu Fuss weit ab in der Fremde sein. Es waren Menschen die aus religiösen Gründen in die Fremde gingen. Sie liefen einem Wahlfahrtsort entgegen. Laufen, um einer auferlegten Busse abzugelten, einen Sündenablass zu erhalten, die Hoffnung, dass Gebete und Bitten erhört werden, religiöse Vertiefung oder Reinigung und Heilung von Körper, Seele und Geist durch die langen, monotonen Wanderungen.
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Die Wiedergeburt des Laufens
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2008, das Laufen hat sich abermals gewandelt, es hat sich in den letzten Jahren weltweit zu einem sehr beliebten Massensport entwickelt. Jahr für Jahr laufen immer mehr Frauen und Männer. Allein oder in Gruppen, in kleinen Orten oder in grossen Städten, immer mehr Laufbegeisterte nehmen an Events teil. Der Lauf im nahen Wald, um einen der vielen Seen, ein Citymarathon oder Läufe in den Bergen. Laufen verbindet, Laufen ermöglicht neue Freundschaften.
Pilgern, das Schlagwort in den Medien. Pilgerreisen sind wieder modern. Pilgern, ganze Reihen von Büchern wurden in der letzten Zeit zu diesen Themen geschrieben. Santiago de Compostela ist in aller Munde, immer mehr Menschen sind auf einem dieser Wege anzutreffen. Auf einzelnen Tagesetappen oder die weite Reise bis nach Spanien. Die heutige Motivation: Eine aktive Auszeit nehmen, in dieser monotonen Fortbewebung findet der Mensch wieder Zeit um nachzudenken, Zeit haben, allein oder mit Freunden unterwegs sein. Immer mehr Menschen brechen auf und finden laufend Heilung und Wandlung aus der statischen Monotonie unserer kopflastigen, immer schneller werdenden Gesellschaft. Laufend zur Ruhe kommen, neue Ansichten und Ideen sammeln.
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Von Mexiko nach Kanada
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Die enorme Distanz des Pacific Crest Trail gibt uns viel Zeit. Zeit, Vergangenes zu durchleuchten, Zukünftiges neu zu bewerten. Die Weite und Schönheit der Natur ergeben andere, neue Gedanken. Die körperliche Anstrengung ist wie eine lange Reinigung. An Seen, die Sonnenuntergänge im spiegelglatten Wasser geniessen, den Wind in den Haaren spüren, die Unebenheiten des Weges fühlen, die Wärme der Sonne in die Haut einwirken lassen. Uns einhüllen in die Kühle und Frische des Morgennebels. Mit dem Körper in die kalten, frischen Gebirgsbäche eintauchen. Der Ruhe lauschen fernab der Zivilisation. Das sind Dinge die wir zu finden hoffen auf dem Trail. Der Weg selber ist unser Ziel. Werte werden sich verschieben, Wichtiges wird in Unwichtiges gewandelt, neuen Ansichten und Gedanken wird Platz gemacht. Eine Reise zu uns selber.
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