Campo

Night Bell

Zwei Lichter kommen näher, sie biegen vor uns rechts ab. Unsere Stöcke kratzen auf dem Asphalt, das Scharren durchdringt die Nacht. Wir sind irgendwo im Wald vor Mount Laguna, es ist Stockdunkel. Keine Ahnung wo wir sind. Der letzte Wegweiser: Monunt Laguna Drive, Sunrise Highway, diese Kreuzung ist nicht auf unserer kleinen Karte eingezeichnet. Ein Auto kommt von hinten näher, wird langsamer und hält an. "Hello, seit ihr zwei PCT-Hiker". Total erschöpft steigen wir ins Auto. Kurze Zeit später sind wir vor dem Mount Laguna Motel. Alles ist dunkel. Night-Bell for check inn, steht auf einem Schild geschrieben. Wir drücken die Glocke, es passiert nichts. Wir klingeln nochmals. Die Tür öffnet sich und John heisst uns herzlich willkommen im Mount Laguna. Ich liege auf dem Bett in Zimmer NR 26, Wanda ist unter der Dusche. Eine Glocke schreckt mich aus den Gedanken, an die letzten zwei Tage. Ich nehme die Pizza aus dem Ofen. Wir konnten noch einkaufen im Motel-Shop. So gut war schon lange keine Ofen-Pizza mehr.
22.00 Uhr, Mount Laguna, KM 68.
68 Km in zwei Tagen, das war viel, wir brauchen eine Pause.



Campo

Sonntagmorgen, 27. April, ein Datum, dass uns schon lange in unseren Köpfen geistert. Was wird uns erwarten! Sand wirbelt auf, es geht ein starker Wind an der Grenze. Das PCT Monument steht vor uns. Vier weisse Pfosten: 2650 miles Mexico-Canada ist eingeritzt. Drei Personen stehen noch da. Eine Frau und zwei Männer. Ein Boarder-Patrol-Van fährt an uns vorbei und zieht eine Art Rechen hinter sich her. Jeden Morgen zählen sie die Spuren, der illegalen Einwanderer, die jede Nacht über die Grenze kommen. Sie verwischen die Spuren für die nächste Nacht. "Seit Ihr PCT-Hiker"? fragen wir, "ja, wir waren vor fünf Jahren auf dem Trail." Sie schauen still Richtung Norden und lächeln, sie wissen, was uns erwartet und wünschen uns eine schöne Zeit.
Wir tragen uns ins Trail-Register ein: Mer gnüsset jede Tag, wanda ond philippe. Noch ein paar Fotos, dann laufen wir los.
8.15 Uhr, Km 0.0

Die erste Meile haben wir in 20 Minuten, wir laufen locker. Es ist ein tolles Gefühl, nach so langer Planung, endlich auf dem Trail zu gehen. Der Weg ist kurvig, schlängelt sich durch die Hügelketten. Eine Wüste aus Stein und Sand, viele kleine Büsche lassen die Wüste grün aussehen, doch Wasser wird hier schwierig zu finden sein. Der erste Tag führt uns nach Lake Morena Campground. Ein langer 32 Km Marsch ohne Wasserstellen dazwischen. Die ersten Stunden laufen wir allein, bis wir den ersten Hilker im Schatten sitzen sehen. Hello, mein Name ist Clearwater. Viele die auf dem Trail gehen, geben sich einen Trail Namen. Clearwater, klares Wasser, wenn er das in der Trinkflasche hat, was wir Schweizer unter klarem Wasser verstehen, na dann Prost ! Wir bleiben bei unseren Namen. Immer wieder treffen wir auf andere Hiker. Kurz vor fünf Uhr stehen wir auf dem Lake Morena Campground. Auf dem Abstieg hat es neben mir plötzlich gerasselt, ich bin so erschrocken, dass ich davon gerannt bin. Wanda hat dann die Klapperschlange beruhigt und mich danach auch noch. Hier gibt es noch eine Trail-Party, doch wir sind zu müde und gehen etwas abseits unser Zelt aufstellen. Um 19.30 Uhr legen wir uns schlafen. 5.30 Uhr, der Wecker klingelt. Eine Stunde später sind wir schon wieder auf dem Trail. So wird es weitergehen. Vor 20.00 Uhr schlafen und um 5.30 Uhr aufstehen, jeden Tag.
In unserem Trail-Buch steht, "nach 10 Km nächstes Wasser". Wir nehmen nur wenig Wasser mit.

Unter einem Baum legen wir unsere Rucksäcke ab, nehmen unsere Wassersäcke hervor, gehen zum Wasserhahn und halten einen Sack darunter, drehen auf und ..... Kein Wasser. Bei diesem Campground haben sie vorübergehend das Wasser abgeschaltet, steht auf einem Schild. Ein Hiker aus Colorado kommt vorbei. "Habt Ihr keinen Water-Report" ? Was ein Water-Report !! "Wart Ihr nicht auf der Trail-Party gestern" ? Nein, da waren wir nicht, wir waren zu müde. Er schaut in seinen Water-Report, auf den nächsten 10 Km sollte es Wasser geben. Der Aufstieg ist heiss, in der prallen Sonne. Und tatsächlich, nach drei Stunden erreichen wir den ersten Bach, als wir in ein anderes Tal kommen. Es wird immer heisser, die Hitze macht mir zu schaffen. Seit über 8 Stunden sind wir nun non-stop unterwegs. Meine Füsse beginne zu schmerzen, ist es zu heiss, ist der Rucksack zu schwer oder habe ich die falschen Schuhe? Wahrscheinlich alles zusammen. Für eine Stunde legen wir uns in den Schatten, lagern die Füsse hoch. Wie weiter !!
Wir entscheiden uns noch am selben Tag nach Mount Laguna zu gehen, obwohl es sehr spät wird.





Extremer Wind

Mit diesem Rucksackgewicht können wir nicht mehr weiter gehen. In Mount Laguna haben wir Zeit und schneiden alle Bändel und Riemen vom Rucksack ab, die wir nicht mehr brauchen. Alles senden wir nach San Francisco zurück, was wir an Ausrüstung nicht brauchen, der Trail zeigt uns, mit wie wenig man auskommen kann. Wir sind über 5 KG los geworden.

Ein starker Wind geht am nächsten Morgen. Wir kommen gut voran, die Pause hat gutgetan. An der nächsten Wasserstelle lernen wir Bryan kennen, er läuft nach Hause zu seiner Familie, er wohnt fast am anderen Ende des Trails. Der Wind wird immer stärker, um die 70 -85 Km/H. Wir müssen uns seitlich mit den Stöcken abstützen beim gehen, damit wir nicht umgeblasen werden. Dafür ist es heute schön kühl. Der Wind kommt vom kalten Pacific her. Trotz des Sturmwindes machen wir 42 Km, mit über 1200 Hm, ein guter Schnitt.

Tag 5, es ist Windstill, unser Thermometer zeigt 38 Grad, ein Tag heiss, einer Kalt, dann wieder heiss, so ist es in der Wüste. In der Mittagshitze erreichen wir einen Highway und dort steht Dave. Wir lernen den ersten Trail-Angel kennen. Er hat soeben eine sogenannte Waterkitchen aufgefüllt. 400 Liter frisches Wasser. Alle zwei Wochen werden die Waterkitchen die an vielen Stellen auf dem ganzen Trail verteilt sind aufgefüllt. Ohne diese Waterkitchen, wäre es sehr schwer den Trail zu gehen. Dave offeriert uns sogar noch eine kühle Cola.

Die Wüste ist karg, heiss und trocken, doch immer wieder staunen wir über die Schönheiten. Blühende Kakteen, verschiedene Vögel (Kolibris), Echsen und Schlangen, die Wüste ist voller Leben. Ein harter aber interessanter Ort.
Nach Tagen der Dürre, erreichen wir Barrels Springs, eine Oase in der Wüste. Sobald Wasser fliesst, bleibt das Gras grün und es wachsen Bäume. Im Schatten unter einem Baum treffen wir auf "Frodo", ein weiterer Trail-Angel. Sie ist letztes Jahr den Trail gegangen und diese Jahr ist sie an verschiedenen Tagen hier in Barrel Springs und verteilt Wassermelonen, Trauben und Kuchen. Wir sitzen in der Runde und vergessen die Hitze und die Zeit. Wir haben heute nur noch wenige Km vor uns, wir wollen zum Eagle-Rock.



Nächtlicher Besuch

An diesem Abend stellen wir unser Zelt erstmals nicht auf, wir schlafen unter freiem Himmel. Der Eagle-Rock gleicht einem Adler, der sich in die Lüfte schwingt. Es ist ein mystischer Ort. Weites dürres Grasland, die grossen Steinblöcke erinnern an die Steinkreise von Stone hege, und es kommt einem vor, als hört man noch die Trommelschläge der Indianer, die hier ihre Rituale abgehalten haben. Das Licht schwindet, die Sternenpracht ist enorm, im Hintergrund hören wir das Heulen der Kojoten. Ein rascheln in der Nacht, Wanda ist wach, doch zu müde, um den Kopf zu drehen. Der nächste Tag bricht an und bei unserem Badetuch, fehlt ein ganzes Stück. Wir hatten Besuch von den Kojoten, ein Lächeln liegt auf unseren Lippen.Nun sind wir schon in Idyllwild, Km 295.5, einige Teile des Pct sind gesperrt, es wütet ein Buschfeuer, so kamen wir per Autostopp nach Idyllwild. Meine Blasen an den Füssen sind grösser geworden. Wir bleiben einige Tage hier, um uns zu erholen. Es ist schon seltsam, die letzten Tage waren wir immer unterwegs und jetzt sitzen wir in der bequemen Polstergruppe und haben schon den Drang, weiter zu gehen. Laufen ist unser Leben geworden.



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