Wrightwood

Nächtlicher Abbruch

Fuller Ridge vor wenigen Tagen, da war viel Wind !! KM 661, Tag: 25, 2.00 Uhr am Morgen. Ich versuche das Zelt mit beiden Händen am Boden zu halten. Einmal sind schon alle Heringe ausgerissen und das Zelt hat fast abgehoben. Zwei weitere Zelte neben uns liegen schon flach. Die Hiker suchen überall ihre Sachen zusammen, alles verstreut vom Wind. Am Abend haben wir das Zelt in einer Berglücke aufgestellt, die einzige Ebene Fläche, die zu finden war. Um 1.00 Uhr ist ein Sturm losgebrochen, der immer stärker wird, am nächsten Tag hören wir, das der Wind bis zu 90 Km/H stark war.Wie ein Segel bläht sich das Zelt auf, ich kann es bald nicht mehr halten, der Wind wird stärker. Vor wenigen Minuten haben wir uns entschieden, das Zelt abzuräumen, bevor es zerreisst. Wanda ist im Zelt und packt alle Sachen zusammen. Ein heftiger Windstoss, einige Heringe werden wieder aus dem Boden gerissen. Das Zelt habt leicht ab. Es scheint zu reissen. Es entgleitet langsam meinen Händen. Ich stehe jetzt auch mit den Füssen auf dem Zelt. Der Wind lässt leicht nach, nochmals Glück gehabt, doch wie lange noch !!Wanda hat alles im Zelt eingepackt, wir warten. Endlich, der Wind beruhigt sich leicht, schnell bauen wir unser Zelt ab und verstauen alles in den Rucksäcken. 2.30 Uhr, wir laufen los. Es ist Vollmond. Was gibt es schöneres, als eine Wanderung zu zweit im stürmischen Vollmond.



Schweizer Schokolade

Wir wärmen uns am Feuer, es ist kalt geworden. Das erste Feuer auf dem Trail. Km 732, Tag 26, 21.00 Uhr. Am Morgen war es kühl, als wir weiter hochgestiegen sind, begann es zu schneien, während dem Mittagessen schien die Sonne und es war heiss. Am späteren Nachmittag kam ein Gewitter, Blitz und Donner, ein Hagelschauer setzte ein. Und nicht zu vergessen, wir sind immer noch in der Wüste, aber auf ca. 1800 Meter Höhe. Am späteren Abend kamen wir über einen Hügel, auf der anderen Seite war dichter Nebel. Nach dem Essen, Worongway's Augen leuchten, als er unsere Tafel Schokolade sieht aus der Schweiz. "Wir haben zu viel Essen bei uns, Du kannst sie haben, wir haben noch eine weitere Tafel Schokolade bei uns". Sage ich zu ihm. Freudig nimmt er sie, steckt sie in seinen Essenssack und hält ihn hoch "ich habe auch zu viel Essen bei mir". Dann geht er zum Abfalleimer und wirft den ganzen Sack hinein. Er kann mit der Tafel Schokolade machen was er will, geschenkt ist geschenkt, aber gleich fortwerfen ... na ja. Jetzt stehen wir am Feuer und wärmen uns auf. Das Feuer geht zu Ende. "Was macht ihr mit eurem Essen"? Fragt uns Wrongway. Wir schauen uns nur fragend an. "Wir sind hier in einem Bärengebiet, ich habe mein Essen in einen bärensicheren Abfalleimer gesteckt". "Was wir sind in einem Bärengebiet, wie lange schon"? "Seit zwei Tagen, ich habe mein Essen immer auf die Bäume gebunden, und ihr"? Wir sagen nichts, wir hatten das Essen immer im Zelt, wie viele Andere auch. Schnell packen wir unser Essen zusammen, gehen zum Abfallkübel und werfen unser Essen auch hinein. Am Morgen ist alles weiss, es hat nochmals gehagelt. Ein Vorteil hat das Wetter, selbst der hungrigste Baer beleibt in seiner Höhle.





Feuersbrunst

"Was meinst Du, sollen wir weiter" Vor uns ist eine Öffnung in einen schwarzen, rauchigen Tunnel. Am Morgen war das ganze Tal voller Rauch, seit Tagen brennt ein Feuer auf dem Trail. KM 1146, Tag: 44, nach Kennedy Meadows. Nur ein paar Fussspuren zeigen wo der Trail ist. Keine Anzeichen, dass der Trail geschlossen ist. Wir gehen hinein, folgen den Fussspuren. Alles ist verbrannt, das Feuer hat hier vor ein paar Tagen gebrannt. Wir werden langsam weiss, es schneit frische Asche von den kahlen Bäumen. Unweit vom Trail hat es überall noch Brandherde, links brennt ein Baumstamm der umgestürzt ist. Wir spüren die Wärme des Feuers beim vorübergehen. Da vorne ist etwas gelbes. Ein Firefighter sitzt auf einem Fels, hat den Kopf auf die Knie gelegt. Er ist müde von der Anstrengung. "Hallo" Er schreckt auf. "Hallo, ich beobachte den Baum hier" Neben ihm brennt noch ein Baum. Der Wind zieht das Feuer nach oben, wie in einem Kamin. "Vorsicht der Baum, kommt hier durch". "Es kommen zwei Hiker" gibt er weiter per Funk. "Geht nur auf dem Weg weiter". Alles voller Asche, wir folgen den Fussspuren. Plötzlich hören wir ein knacken, dann ein krachen. Funkenstiebend fällt ein Baum neben dem Trail. Sollen wir hier wirklich weiter. Die Luft ist stickig und warm, vor uns, in leichten Rauch gehüllt, erscheinen drei Firefighter. Sie warten auf uns. Mit Spitzhaken und Spaten kämpfen sie gegen das Feuer. Hier oben in den Wäldern gibt es kein Wasser, alles harte Handarbeit. Meistens können Sie nur zuschauen, wie sich das Feuer durch den Wald frisst. Weite Waldgebiete in Südkalifornien sind schon verbrannt. Vielfach wird ein Feuer ausgelöst von Zigarettenstummeln. Wir gehen an den Firefightern vorbei. "Noch eine halbe Meile, dann seit ihr durch". Ein weiterer Firefighter kommt auf uns zu. "Haltet euch links, rechts vom Trail ist alles in Brand". Langsam lässt der Rauch nach, es hat wieder Tannen, die noch nicht verbrannt sind. Dann kommt ein Windstoss. Rechts von uns brennt das Feuer sofort lichterloh auf. Der Wind wird stärker, wechselt die Richtung und bläst voll in unsere Richtung. Die Baumkronen rechts von uns flammen auf. Eine Feuerhölle bricht los. "Lauft, lauft" Zwei Firefighter rufen uns zu. Wir sind geschockt, dann laufen wir los. Der Wind blässt das Feuer auf uns zu. Wir rennen, dichter Rauch um uns. Erst einige hundert Meter weiter beruhigt sich die Lage. Da wo wir vor kurzem gestanden haben. brennen alle Bäume lichterloh. Wir setzen uns eine kurze Zeit auf den Boden. Das war knapp. Später erfahren wir, dass wir die letzte Hiker waren, die diese Passage gelaufen sind, der Trail bleibt für längere Zeit geschlossen.



Highest Point

Scheisse, wo ist der Trail. Grosse Felsblöcke umgeben uns, seit einer halben Stunde suchen wir uns einen Weg nach oben. Unser Höhenmesser zeigt 3850 Meter, wir sollten bald auf dem Forrester Pass sein, doch hier ist von einem Trail keine Spur. Rechts oben ist ein breiter Sattel, da könnte der Trail sein. Links ist nur ein schmaler Einschnitt in den Felsen, der mit Schnee gefüllt ist. Ich ziehe den Rucksack aus und suche den Trail. Rechts sind nur Felsblöcke, soweit das Auge reicht. Ich gehe nach links. Da ist der Trail, er führt genau in den engen Einschnitt in den Felsen hinein. Ich will weiter nach links, doch ein riesiges Felsband versperrt den Weg. Wir müssen mit unseren schweren Rucksäcken wieder absteigen, mehrere hundert Meter, um unter dem Felsband wieder auf den Trail zu kommen. Der Einstieg auf den Forrester Pass ist zugeschneit. Ich habe im Schneefeld die falsche Richtung gewählt. Endlich sind wir wieder auf dem Trail. Es ist spät. Wir wollten um drei Uhr auf dem Pass sein, jetzt ist es bald fünf Uhr. Der Trail schlängelt sich in schmalen Spitzkehren im felsigen Einschnitt nach oben. Dann führt er über ein steiles Schneefeld. Noch ein paar Meter, wir sind oben. KM 1268, Tag 46, Forrester Pass. Der Pass ist der Hoechst Punkt auf dem Trail, über 4000 Meter hoch. Wir schauen zurück, zurück nach Mexiko. Vor ca. sechs Wochen sind wir gestartet. Wochenlang in der Wüste. Sand, Hitze und Kälte und Wasser schleppen. Es ist psychisch der schwierigste Teil vom pct. Tagelang unveränderte Landschaft. Dann sind wir nach Kennedy Meadows gekommen, das Tor zur High Sierra. Die Landschaft hat sich gewandelt. Bäume, Bäche, Flüsse und Wiesen. Vor zwei Tagen sind wir das erste Mal auf dem Trail barfuss auf einer grünen Wiese gelaufen. Wie haben wir das vermisst. Wir schauen uns kurz in die Auge und lächeln uns zu, dann drehen wir uns um . Die Nordseite, alles ist zugeschneit. Wir müssen sicher 1000 Meter absteigen. Es ist 17.30 Uhr, heute wird es spät. Wir betreten die weisse Arena.



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