Independence

Dunstige Zeiten

Es ist ein heisser Anstieg zum Kersage Pass, um 12.00 Uhr sind wir oben und betreten den ersten grossen NationalPark.
KM 1325, Tag 51, Kings Canyon National Park.
Sechs Tage laufen wir durch den Kings Canyon NP, kein Anzeichen von Zivilisation. Viele Pässe sind nochschneebedeckt, wir müssen zum Teil schwierige Schneefelder traversieren oder in ihnen hochsteigen. Wir verlieren oft den Trail im Schnee, orientieren uns nur mit der Karte. Nach dem John Muir Pass, benannt nach einem bekantenamerikanischen Alpinisten, liegt der Wanda See. Eine Tochter von John Muir hiess Wanda, die andere Helene. Auf der einen Seite des Passes, liegt der Helene See, auf der Anderen der Wanda See. Um 18.00 Uhr sind wir auf dem John MuirPass und schauen auf die andere Seite. Schnee, soweit das Auge reicht. Wir wollten am Wanda See campen , doch hier istalles zugefroren. Erst spät am Abend kommen wir aus dem Schnee. Im Dunkeln stellen wir unser Zelt auf und kochen einenheissen Tee. Wir mussten die KM-Zahl in der High Sierra reduzieren. Die Höhe, drei Wochen zwischen 3000 und 4000 Meter Höhe, viele Schneefelder und grosse Bäche und Flüsse machten uns zu schaffen. Die Flüsse sind voll, die Schneeschmelze hat schon begonnen. Brücken gibt es hier oben nur sehr selten. Wir balancieren über Baumstämme, springen von Stein zu Stein und vielfach müssen wir die Schuhe ausziehen und die Sandalen anziehen und durchs Wasser waten. Wir kommen zum Mono-Creek, er führt viel Wasser, er sei schwierig zum überqueren, heisst es in unserem Führer. Ich gehe ins Wasser. Die Strömung wird immer stärker, das Wasser reicht schon bis an die Knie. Langsam verliere ich das Gefühl in den Beinen im eiskalten Wasser. Ich stütze mich mit den Stöcken gegen die Strömung. Nun bin ich bis zu
den Oberschenkel im Wasser. Die Strömung ist sehr stark, langsam erreiche ich das andere Ufer, spüre fast nichts mehr in meinen Füssen. Dann folgt Wanda. Das Wasser reicht ihr bis zu den Hüften, sie kämpft gegen die starke Strömung. Doch sie kommt heil über den Fluss. Die meisten Unfälle auf dem Trail passieren in solchen Flüssen oder in den steilen Schneefeldern. Vielfach sind die Flüsse mit Schnee bedeckt. Wir laufen über den Schnee und hören unter uns das Wasser. Es ist immer ein seltsames Gefühl, hält der gefrorene Schnee, brechen wir ein ? Einmal ist Wanda mit dem Stock neben dem Fuss durch den Schnee eingebrochen.
Plötzlich bewegt sich der Schnee unter uns, wir sind vom Trail abgekommen und auf einem zugefrorenen See gekommen, der schon am auftauen ist. Langsam sind wir wieder zurück gegangen. Schon einige Hiker sind so eingesunken.
Das Panorama ist unwahrscheinlich schön. Doch am 3. Tag ist ein starker Dunst in der Luft. 1080 Waldbrand-Feuer sind zurzeit in Kalifornien in Brand. Wir treffen auf Tom, er lebt seit 52 Jahren in der Gegend. Noch nie hat es so viele
Feuer gegeben. 21000 Feuerwehrleute aus 41 Staaten sind zurzeit im Einsatz. Leider können wir die grossen Panoramas der High Sierra nicht fotografieren, alles ist voller Dunst.





Die Brut erwacht

Wir gehen schnell, so etwas haben wir noch nie erlebt. KM 1580, Tag 63, Yosemethi National Park. Die Brut ist erwacht, hunderte, tausende Moskitos. Seit zwei Tagen laufen wir mit langen Hosen und Moskito Hut durch den Yosemethi
NP. Der schönste NP der USA, sagen uns die Amerikaner, doch wir sehen alles nur durch ein Netz. Wenn wir anhalten umzingeln uns sofort grosse Schwärme von Moskitos. Nur am späten Abend oder frühen Morgen haben wir Ruhe. Dann ist es herrlich im Yosemethi NP. An einem Frühen Morgen sahen wir ein neugeborenes Reh. Es war noch leicht feucht, auf wackligen Beinen ging es zur Mutter und trank bei ihr Milch. An einem anderen Morgen kam ein Reh so nahe, dass es fast den Kopf ins Zelt gesteckt hat. Viele Tiere zeigen keine Scheue vor dem Menschen, leider auch die Moskitos nicht. Wir sind überrascht, dass es im Yosemethi NP so viele Moskitos hat, wir rechneten erst in Oregon, ca. 1000 Km weiter mit vielen Moskitos. Wenn wir am Abend im Zelt sind, haben wir endlich Ruhe und es gibt immer noch viele Hiker ohne Zelt. Diese tragen selbst beim schlafen den Moskito Hut, eine schöne gemütliche Nacht.



Harry der Schnelle

Die Reifen quietschen in der Linkskurve, dann kommt eine starke Rechtskurve. Er bremst kurz ab, zieht das Steuer voll nach Rechts und dann Vollgas geradeaus, bis zur nächsten Kurve. Wir sitzen im weissen Flitzer von Harry, dem schnellen Driver. Zu viert sind wir eingestiegen. Als wir losfuhren, steht die Türe vom Gewicht auf dem Buergersteig auf. Harry gibt Gas, es kratzt und nach einigen Metern Fahrt ist die Türe zu. Vielfach müssen wir weite Strecken ab dem Trail unsere Essenspackete holen. Das Bussystem in der USA ist sehr schlecht, dann bleibt uns nichts anderes übrig als Autostop. Und so sind wir zu viert im Auto von Harry gelandet. Er erzählt uns seine Lebensgeschichte, vom Zigaretten Schmuggel, über den Gefängnisausbruch und nun so sagt er, versteckt er sich in Kalifornien, doch das ist schon lange her. Dann kommt die nächste Kurvenkombination und wir werden so richtig durchgeschüttelt. Plötzlich steht er auf die Bremse, er müsse uns den schönsten Wasserfall zeigen. So steigen wir alle aus, auch froh über die Pause. Dann sehen wir ihn, oder sollten ihn sehen, den schönsten Wasserfall. Wir sehen nicht viel. Kurze Zeit später zieht die Landschaft wieder im Höllentempo an uns vorbei und in Rekordzeit sind wir bei der Poststelle. Vielen Dank Harry, wir sind sehr froh, dass du uns mitgenommen hast, denn in den USA ist Autostop manchmal sehr schwierig. Nach einem Foto verabschieden wir uns wieder von einem sehr interessanten Menschen.



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