Seiad Valley

Zu Heiss, zu nass

Vor vier Tagen haben wir Ashland verlassen. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist unglaublich heiss geworden. Die
Abschnitte von Wasser zu Wasser werden immer länger. Wir sind in der High Desert von Oregon.
Heute Morgen sind wir früh losgelaufen. Der Wald lichtet sich, er nicht mehr so dicht, wie die letzten Tage. Die
Schattenspendenden Bäume werden weniger und kleiner. Langsam steigen wir hinauf zur Kante. Noch wenige Meter, wir sind
auf dem Krater-Rand. Uns bietet sich ein unglaubliches Panorama.
Tag 110, KM 2963, Crater Lake National Park. Ein riesiger Vulkan-Krater von einigen KM Durchmesser liegt vor uns. Der
Kratersee liegt viele Meter unter uns. Der Himmel und der See sind von tiefstem Blau. Wir setzen uns an den Kraterrand
und geniessen die atemberaubende Aussicht. Auf der linken Seite ragt Wizzard Island, eine Insel, aus dem Wasser. Zwei
Stunden später finden wir einen Campplatz am Krater Rand. Lange in den Abend hinein geniessen wir den Ausblick, sehen
die Sonne untergehen und den Mond aufsteigen. Für uns, einer der schönsten Plätze auf dem Trail.
Der folgende Tag ist der heisseste in Oregon, oder sogar auf dem Trail. Über 40 Grad ist es heiss. Erst spät am Abend finden wir Wasser. Wir sind fast ausgetrocknet. Wanda trinkt 4 Liter und ich ganze 7 Liter in kurzer Zeit. Am Abend liegen wir im Zelt und wünschen uns kühleres Wetter und manchmal gehen Wuensche in Erfüllung und wie. Zwei Tage später haben wir einen Gewitter-Sturm. Blitz und Donner, ab und zu sehen wir Rauchwolken aufsteigen, einige Waldbrände sind gestartet und dann beginnt es zu regnen und regnen und regnen. Nordoregon fällt buchstäblich ins Wasser. Es ist kalt, stürmisch, auf den Pässen ist dichter Nebel. Innerhalb von 10 Tagen regnet es 6 Tage lang. Zelt, Schlafsack, alles ist nass und nass heisst schwer, schwer zu tragen.
Wir treffen auf Karen und Fred. Sie laden uns in ihr Cabin ein. Wir können uns und die Ausrüstung trocknen. Wir geniessen eine gemütliche Zeit mit ihren drei Kindern. Sie fragen uns, was wir auf dem Trail Essen und als sie hören, dass es immer wieder Reis, Pasta und Polenta gibt, geht Karen in die Küche und bringt uns einen ganzen Sack mit verschiedenem gedörrtem Gemüse, damit wir unseren Geschmack beim Essen aufbessern können. Immer wieder treffen wir auf herzliche und offenen Menschen, die uns helfen. Vielen Dank. Wir hoffen, dass sie uns in der Schweiz besuchen kommen.
Heute sitzen wir am Columbia River in Cascade Locks und bestaunen die riesige Brücke, Bridge of the Gods. Sie wird uns Morgen über den Fluss bringen. In der Mitte der Brücke betreten wir Washington, den letzten Staat unserer Reise. Wir sitzen da und schauen ins Wasser und wünschen uns warmes und sonniges Wetter für den Rest nach Kanada. Und wer weiss, manchmal gehen Wünsche in Erfüllung.



Mamma Mia

Wanda sieht etwas Schönes, Mamma Mia
Wanda regt sich auf, Mamma Mia
Wanda hat einen Trailnamen: Mamma Mia

Den Trailnamen bekommt man von anderen Hikern. Sie waren so erstaunt über ihr temperamentvolles Mamma Mia, dass sie jetzt Mamma Mia genannt wird. Und wie es der Trail-Zufall will, treffen wie auf Lorenzo, einen älteren Italiener aus Turino. Der erste Italiener auf dem Trail überhaupt, erzählt er uns stolz. Und als er Wanda nach dem Trailnamen fragt, na was sagte er wohl mit Händen und Füssen als er ihn hört: "Mamma Mia". Er lacht, "ein guter Name". Und immer wieder, wenn sich Wanda und Lorenzo treffen und wir sehen ihn oft in letzter Zeit, dann plaudern sie im temperamentvollem Italienisch. Und das meiste Wort, dass zu hören ist, na was wohl: Mamma Mia.





Schwizerdütsch

Crater-Camp-Ground. Irgendwo im nassen Oregon. Es war den ganzen Tag feucht. Auf der Karte sehen wir, dass wir bei den three Sister vorbeigelaufen sind, drei schönen Bergspitzen. Doch die Sichtweite heute war, na ja... 200 Meter
max. Wir stellen das Zelt auf und warten. Wir warten auf Schweizer-Besuch. Am späten Abend kommen sie, Martin und Burleigh. Martin ist beruflich viel in den USA und hat uns den Kontakt mit Burleigh, unserem Trail-Supporter vermittelt. "Heute müsst ihr nicht kochen, wir machen alles". Und was es alles gibt. Früchte, feines Gulasch mit Reis, Maiskolben, Geburtstagskuchen für Wanda, Döttinger Rotwein und zur Überraschung des Abends, einen Grill-Servela.
Am nächsten Tag laufen wir einieg Kilometer gemeinsam über alte Lavafelder. Und sie haben nicht nur gutes Essen mitgebracht, sondern auch schönes Wetter. Und dann treffen wir alle noch auf Lorenzo, und was hören wir....Mamma Mia. Sie kommen noch in den Genuss, dass italienische Temperament auf dem Trail zu hören und erleben. Wir geniessen einen gemütlichen, schönen Tag im Vulkangebiet.
Vielen Dank für das Essen und die Begleitung, wir hatten viel Fun, wie es die Amerikaner sagen.



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