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 | Cascade Locks |
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Tag auf dem Trail
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Es ist noch kalt in der Morgendämmerung. Das Zelt hat Eiskrusten an der Unterseite. Wanda ist im Zelt und räumt alles auf, währenddessen mache ich uns eine heisse Schokolade und ein Müesli. Wir sprechen nie viel am Morgen. Es wird langsam heller, die Bergspitzen leuchten im Sonnenschein. Das Tal in dem wir campen ist noch feucht und schattig. Der Escondido Creek fliesst ruhig in den kleinen See. Unser Zelt steht daneben, es ist null Grad. Um 6.15 Uhr klingelte der Wecker. Um 7.20 Uhr haben wir gegessen und alles eingepackt. Wir laufen los. Es geht einige Hm bergauf, dann kommen wir über einen Sattel in den Sonnenschein. Die Sonne wärmt uns auf, bald wird es warm. Überall sehen wir die Farben des Herbstes. Gelb, rot und golden. Ein bunter Teppich liegt vor uns, ein weiteres neues Tal. Der Trail schlängelt sich wie immer in unzähligen Windungen bergab. 9.30 Uhr: unsere erste Pause nach 10.5 Km. Wir sitzen am Waptus River, ich mache noch schnell einige Fotos, danach geht es weiter, bergauf. 12.50 Uhr: Mittagessen am Deep Lake. Ein herrliches Panorama, golden, gelbe Wiesen, tiefblauer See und der Cathedral Rock im Hintergrund. Wanda kocht unser Mittagessen, ich mache schnell einige Fotos. Gerne würden wir hier bleiben und den Anblick geniessen. Ich schaue auf die Karte, wir haben erst 22 Km, zu wenig für heute. Der Trail drängt uns immer weiter. Der Aufstieg zum Cathedral Pass ist heiss. 15.40 Uhr, wir sind auf dem Pass und schauen hinunter auf den See. Der Trail auf der anderen Seite hinunter ist steil und schlecht. Viele Felsen und Bäume liegen auf dem Trail. Die Füsse und Knie schmerzen beim absteigen. Über einen schmalen Holzstamm überqueren wir den Cle Elum River. Ich mache einige Fotos, lehne mich zu weit hinaus und falle ins Wasser. Nasse Füsse, der Kamera hat es zum Glück nichts gemacht. Mit nassen Schuhen geht es weiter. Der nächste Aufstieg zum Deception Pass. 18.15 Uhr, wir sind oben. Wir finden ein kleines Camp an einem See. Einige Minuten später haben wir unser Zelt aufgestellt. Wanda bereitet alles für die Nacht vor. Ich gehe zum Wasser und pumpe das Wasser für unser Abendessen. Während dem Essen schauen wir auf die Karte. 36 Km, 1170 Hm bergauf und 1250 Hm bergab. Wir sind sehr zufrieden, nicht immer läuft es so gut wie heute. 20.30 Uhr, Hiker Midnight. Wir löschen das Licht. Ein guter Tag geht zu Ende. Doch bald klingelt der Wecker und alles beginnt von neuem.
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Protect your Food
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In der Nacht raschelt es plötzlich. Wir wachen auf. Was ist das ? Dann wieder das Rascheln. Wir öffnen das Zelt. Mäuse. Sie wollen unser Essen. Wir packen die Essensäcke und nehmen sie ins Zelt hinein. Die Nacht bleibt ruhig. Am nächsten Morgen treffen wir auf "Low Bridge", ein anderer Hiker. Er sieht müde aus. "Hattest Du auch Mäuse ums Zelt" Frage ich Ihn. "Mäuse ums Zelt!!" "Sie haben mir in der Nacht ein Loch in meinen Essenssack gebissen. Ich nahm den Sack danach ins Zelt hinein und schlief weiter. Plötzlich spürte ich etwas auf meinem Bein. Ich bin aufgeschreckt. Im Schein der Taschenlampe sah ich eine Maus auf meinem Oberschenkel und eine Andere auf meinem Essensack. Voller Panik bin ich aufgesessen. Die Mäuse rannten im Zelt hin und her. Sie haben mir ein Loch ins Zelt gebissen und sind so in mein Zelt gekommen. Ich nahm meinen Kleidersack und habe auf sie eingeschlagen. Es war ein reisen Chaos im Zelt. Die Mäuse haben gepfiffen und ich geschlagen. Eine habe ich getroffen und die Andere ist durch das Loch im Zelt entwischt. Ich packte die Maus am Schwanz und habe sie weit in den Wald hinein geworfen. Das alles war um drei Uhr morgens. Ich packte alles zusammen und lief zwei Stunden weiter. Müde stellte ich mein Zelt wieder auf und erholte mich langsam vom nächtlichen Mäuse-Schock. Die waren im meinem Zelt drin" Wanda und ich schauen uns an. Wo war unser Essen die letzte Nacht, auch im Zelt drinnen. Wir nehmen nie mehr Essen ins Zelt hinein.
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alles ist erlaubt
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Wir sind schon über 140 Tage auf dem Trail und uns kommt es manchmal vor: Auf dem Pacific Crest Trail ist alles erlaubt !! Gestreifte kniehohe Socken im Pipilangstrumpf-Stil, Bärte soweit das Auge reicht, leuchtgelbes T-Shirt mit rotem Rucksack und Strohhut, Frisuren, dass man Hiker kaum von Bären unterscheiden kann. Immer wieder zuckt unser Auge und vor allem unsere Nase, wenn wir gewisse Hiker sehen. Die Kleidung ist nur das eine, das Andere, was uns stört ist: Hiker Bla Bla Uns kommt es manchmal vor, der PCT ist ein Sportwettbewerb. Immer wieder werden wir gefragt, wie viele Meilen macht ihr in der Stunde, am Tag, wann seit ihr gestartet, wie schwer ist der Rucksack, wieviel habt ihr abgenommen. Zahlen sind sehr wichtig. Und wenn man sich trifft, dann geht es erst richtig los. Jeder hat die besseren, härteren und extremeren Erlebnisse auf dem Trail gehabt. Vor allem die Jüngeren Hiker erzählen, gestikulieren und geben an. Und je später der Abend, desto länger und härter werden die Meilen. Und was man schon alles in der Vergangenheit erlebt hat. Unglaublich, uns scheint es, gewisse Hiker erleben Abenteuer an Abenteuer, besser als es Jules Verne geschrieben hat. Wenn dann noch Alkohol, Marihuana oder Anderes im Spiel ist, sind einige kaum zu bremsen. Sodass schlafen in der Nähe nicht möglich ist. Wir fragen uns manchmal wirklich, warum gewisse Hiker auf dem Trail sind. Wir haben einige sehr interessante Personen auf dem Trail getroffen und hatten interessante Gespräche. Doch die meisten Hiker hinterlassen bei uns einen seltsamen Nachgeschmack. Viele haben das Gefühl, der PCT gibt ihnen ein Sonderrecht, das Recht: Alles ist erlaubt !!
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Der letzte Staat
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Der Himmel ist bewölkt. Langsam nähern wir uns dem grünen Schild. Wir stehen auf der Brige of the Gods. In der Mitte der Brücke betreten wir den letzten Staat auf unserer Reise: Washington. Wie viele Male haben wir gedacht, wenn wir endlich in Washington sind, dann..... und jetzt sind wir schon hier. Washington begrüsst uns mit nassem und kühlem Wetter. Zwei Tage später wird es wärmer, erste Sonnenstrahlen dringen durch den Wald. Wanda hat Probleme mit den Schuhen. Wir mussten ihre alten ersetzen und haben die Schuhmarke, die sie immer hat nicht gefunden. Ihre Füsse schmerzen. An ein weiterlaufen ist nicht zu denken. An einer Strasse warten wir. Das zweite Autonimmt hält an. Gary. "Habt ihr ein Problem". "Ja, wir brauchen neue Schuhe". "Wo müsst ihr hin". "Am Besten nach Portland". Er denkt eine Weile nach. "OK, steigt ein, ich fahre euch hin und zurück". Wieder einmal Glück gehabt. Gary ist ein pensionierter Firefighter. Portland liegt ca. 2 Autostunden entfernt. Auf dem Weg erzählen wir ihm von unseren Abenteuern auf dem Trail. Erstaunt hört er uns zu. Und auf dem Rückweg, fährt er mit uns um den Mt. Hood. Und sogar noch hinauf zur Timberline Loge am Fuss des Mt. Hood. Vor wenigen Tagen waren wir schon hier, der PCT führt hier vorbei. Es war stürmisch. Sichtweite 20 Meter. Dank den falschen Schuhen stehen wir bei bestem Wetter ein zweites mal hier. Danke Gary Am nächsten Tag betreten wir die North Cascade, der letzte Teil des PCT. Wilde unberührte Natur. Der Herbst hält langsam Einzug. Bunte Blätter in allen Farben. Der Weg wird wieder steiler und mühsamer, wir müssen die Kilometer pro Tag reduzieren. Manchmal auch, weil wir zu viele Heidelbeeren essen, wir finden sie zu tausenden am Trail. Langsam sind wir müde, haben genug vom laufen. Immer wieder schauen wir vorwärts und erwarten das Ende. Noch 315 Kilometer, nicht mehr weit und doch scheint Kanada noch unerreichbar für uns. Eine kleine Ungewissheit haben wir noch: Das Wetter. Bleibt es schön ? Wann kommt der erste Schnee ? Und doch haben wir langsam das Gefühl: wir schaffen es.
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